Donnerstag, 8. November 2007

politikergespräche

soeben konnte ich teile eines interviews mit rudolf augstein auf br-alpha verfolgen. ein interview aus den siebzigerjahren, und ich, als jungspund der zu diesem zeitpunkt wohl noch nicht auf der welt war, musste erst warten bis zum ersten mal der name gefallen war, um zu wissen wer denn da spricht.
die strittigkeit der person augstein soll hier einmal beseite gestellt werden - zumal es mir nicht um konkrete aussagen geht, die in diesem interview, richtigerweise muss wohl von einem gespräch gesprochen werden, gefallen sind; beschäftigt haben mich vielmehr jene aspekte die in so krassem widerspruch zu aktuellen übertragungen stehen.
das gespräch wurde mit dem politiker augstein geführt, auffallend war: es gab für jeden satz zeit. es gab für jeden gedanken zeit. jeder satz war eine antwort. kein endloses wiederholen, kein anbringen vorgefertigter aussagen, kein sermon ermüdendes anbiederungsgeschwafel.
es wurde nichts verkauft.
nun weisen die meisten journalisten einen anderen sprachgebrauch als die klassischen politiker auf und auch heute gibt es durchaus jene, die entweder aus sachkompetenz, oder auch aus "humanistischem menschvertrauen" aber ein zurücknehmen des absoluten wahrheitsanspruchs in dieser radikalität ist sicher zur ausnahmerscheinung geraten. (vielleicht war es das zu dieser zeit auch schon, das kann ich nicht beurteilen).
für mich ergibt sich das bild: während heute die politik - quer über alle parteien - versucht den "ton der zeit" zu finden, den mit versatzstücken ihrer ideologie zu brandmarken und damit mehrheitsfähig zu werden, war es damals - vielleicht - eher der versuch, die eigene überzeugung so verständlich zu machen, dass sich eine mehrheit dazu bekennen kann.
natürlich ist beides ein werben - aber während ersteres, das aktuelle, den status-quo, oder zumindest den zeitgeist in all seiner wandelbarkeit für unabänderlich erklärt und gleichzeitig dem wähler sicherheit und bequemlichkeit suggeriert (das notwendige umdenken, die flexibilität wird schon von den politikern erledigt), kämpft die zweite, vergangene, variante um wirkliche umstellungen im rahmen jedes einzelnen.
andere menschen zum umdenken anzuregen, oder ein solches gar einzufordern, macht aber ein vertrauen in die eigene überzeugung unabdingbar, ein vertrauen das vielleicht als elitär empfunden wird, jedenfalls aber nicht als "dem volk entsprungen" und damit nicht mehrheitsfähig.
der gedanke ist noch nicht fertig aber die späte stunde und der kommende arbeitstag bringt mir die unterbrechung zu diesem zeitpunkt mit gewissem nachdruck nahe.

am rande für mich als notiz: der name carl schmitt, der mir bis heute unbekannt war, ist mir heute gleich zweimal, unabhängig voneinander untergekommen - im datum forumsbeitrag "opfer auf dem altar der sicherheit" (ausgabe november 2007) und im wikipedia eintrag zu rudolf augstein.
ich mag zufälle.
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Bassing - 8. Nov, 01:27

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